INTEGRATION - Ascheberg e.V.

Einsatz für Asylbewerber!

Presse-Artikel

Vom Glück, Flüchtlingen zu helfen

Roswitha Reckers findet Erfüllung in ihrem Einsatz für Asylbewerber.

https://www.kirche-und-leben.de/artikel/vom-glueck-fluechtlingen-zu-helfen/, 12.03.2017

Kirche und Leben online
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Wie alles begann…

Im Jahr 2012 fuhren meine Tochter und ich durch Ascheberg, als wir eine schwangere Frau sahen, die sich mit 2 voll bepackten Einkaufstaschen abmühte. Sie war noch weit vom Ortskern entfernt, so dass wir anhielten und ihr anboten, sie mit zu nehmen. Nach anfänglichem Zurückweichen (da springen plötzlich 2 Fremde aus dem Auto) nahm sie das Angebot an, sie nach Hause zu bringen. An der Biete (der Name der Straße, in der sie wohnte) angekommen, verweilten wir noch ein wenig im Auto.

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Sie erzählte von ihren Problemen, die Briefe von Ämtern zu verstehen. So gab ich ihr meine Telefonnummer und ermunterte sie, mich einfach anzurufen, wenn sie wieder einen Brief bekäme. Nach ein paar Tagen kam tatsächlich ein Anruf.

Daraufhin besuchte ich sie in der Unterkunft. Es war nicht leicht, sie in dem Haus zu finden. Mit dem Namen kam ich nicht weit. Die Bewohner kannten sich untereinander kaum. Höchstens die, die aus dem gleichen Land kamen. Die Beschreibung Frau, Afrika, schwanger half dann, obwohl sie mit Händen und Füßen gemacht wurde. Zu der Zeit gab es keine Sprachkurse. So waren die paar Brocken Deutsch, die die Bewohner sich angeeignet hatten, kaum der Rede wert.

Schließlich hatte ich sie gefunden und ihre Freude war groß. Eilig rannte sie in die Küche, um Teewasser aufzusetzen. Dazu holte sie den Wasserkocher aus ihrem Schrank, brachte das Wasser zum Kochen. Sie lieh sich eine zweite Tasse von einer Mitbewohnerin. Die Grundausstattung beinhaltet eine Tasse pro Person. Besuch war nicht eingeplant und zu der Zeit auch nicht vorhanden. Später berichtete man mir, dass ich seit Jahren die erste Deutsche gewesen sei, die das Haus betreten habe. Später, oder in einer anderen Geschichte, werde ich zu dem Thema noch ausführlicher berichten.

Der Brief kam von der Ausländerbehörde und forderte sie auf, zu einem bestimmten Termin in Coesfeld zu erscheinen. Außerdem wurde die Beibringung bestimmter Dokumente verlangt. Der Brief war schnell erklärt. So begannen wir voneinander zu erzählen. Familie, Beruf, Situation. Für mich war deutlich spürbar, dass die junge Frau meinen Besuch sehr genossen hat. Später erzählte sie mir, dass ich ihr die Möglichkeit gegeben habe, endlich mal wieder jemandem etwas anbieten zu können. Sie hatte zu Hause ein gutes Leben, oft Gäste, die es zu bewirten galt. Und nun war sie hier in einem fremden Land in einem Zimmer, dass sie sich mit einer Frau aus einem der Ostblockstaaten teilte. Die beiden hatten keine gemeinsame Sprache. Man verbrachte die Zeit schweigend, versuchte sich an die Regeln zu halten, die kaum bekannt und nicht verstanden wurden.

Sie erzählte von ihrem Wunsch Deutsch zu lernen. Doch da sie aus Nigeria kommt, hatte sie keinen Anspruch auf einen Sprachkurs. Ich versprach, mich um etwas Unterrichtsmaterial zu kümmern und wir verabredeten, uns in der nächsten Woche wieder zu treffen.

In der Woche drauf trafen wir uns wieder. Sie hatte einen Schreibblock aufgetrieben und einen Kugelschreiber. Unsere erste Lektion begann. Sie sprach und schrieb bereits Englisch, so dass sie nur die Buchstaben umbenennen musste, die sie aber schon kannte. (Auch dazu werde ich später noch erzählen, was es bedeutet, von arabischen, tigrinischen oder kyrillischen Schriftzeichen auf lateinische Buchstaben umzulernen. Oder, was es bedeutet, noch gar nicht schreiben zu können.) Wenn jemand so unbedingt lernen will, macht es wirklich Spaß, dabei zu helfen. So versuchten wir schnell uns regelmäßig zu treffen.

Natürlich hatte sich mein Besuch, trotz mangelnder gemeinsamer Sprache, wie ein Lauffeuer rumgesprochen. Auch, dass ich nun regelmäßig ins Haus kam, war schnell vielen bekannt. So kam es, dass es nach den Anstands-10-Minuten, an der Tür klopfte, ein Brief gezeigt wurde, mit der Bitte: „Du lesen mir?“ So wurde aus einer Stunde lernen, schnell eine weitere Stunde mit „Briefe erklären“. Sehr schnell kam auch die Frage: „Darf ich mit dir Deutsch lernen?“ Eine und zwei Personen, das ging noch in dem kleinen Zimmer. Doch 3 oder 4, da wurde es schon ganz schön eng. Das war der Grund, warum der Unterricht schließlich in meine Küche verlagert wurde, die übrigens größer war, als das Zimmer in dem üblicher Weise 3 Personen, in Krisenzeiten auch 4 untergebracht wurden.

Roswitha Reckers

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